Fahrradfahren in Brasilien – Die besten Fahrradrouten in Brasilien – Reiseberichte Nordosten Brasilien. Und wieder verleitet es mich dazu über eine unserer Touren im Nordosten des Landes zu berichten. Wer hätte gedacht, dass man auch mehrtägige Fahrradtouren im „gefährlichen“ Brasilien machen kann? Oftmals wird man ja befragt, ob Brasilien nicht gefährlich sei und wie das so ist da zu reisen. Genau deshalb möchte ich heute von unserer 6 tägigen Fahrradtour entlang der Küste zwischen Fortaleza und Sao Luis berichten. Je nach Niveau der Radfahrer kann die Tour kürzer oder länger gehen und die Etappen können angepasst werden. Wir, als normale Hobbyradfahrer, haben uns Strecken von circa 30 bis 50km maximal pro Tag rausgesucht. Man sollte dabei unbedingt bedenken, dass es anstrengender ist am Strand oder über Stock und Stein zu fahren als auf asphaltierten Straßen. Hier auf der „Route der Emotionen“, wie die Strecke gern genannt wird, liegt der Fokus auf jeden Fall auf der Natur, also kaum asphaltierte Wege.

Fortaleza [furtɐ’ɫezɐ], amtlich Município de Fortaleza, ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Ceará mit über 2 Millionen Einwohnern. Fortaleza ist die fünftgrößte Stadt Brasiliens. In Fortaleza beginnt die längste brasilianische Autobahn BR-116. Fortaleza ist der Geburtsort der Schriftsteller José de Alencar und Rachel de Queiroz, des Komikers Chico Anysio und des ehemaligen Präsidenten Humberto Castelo Branco.

Fahrradfahren in Brasilien – Die besten Fahrradrouten in Brasilien – Reiseberichte Nordosten Brasilien

Wir kommen in Fortaleza an und fahren sofort vom Flughafen aus nach Guajiru, einem kleinen Fischerdorf circa 160km entfernt. Von hier aus soll es am nächsten Morgen per Rad starten. Der Tag heute dient der Ankunft und Orientierung und wir warten schon gespannt auf unser „Team“, welches am Nachmittag mit den Rädern hier eintreffen sollte.

Fahrradfahren in Brasilien – Die besten Fahrradrouten in Brasilien – Reiseberichte Nordosten Brasilien
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Auch vorherige Orte wie Cumbuco oder Paracuru bieten sich wohl als Startpunkte an, aber da wir nur 6 Tage Zeit haben und zu lange Strecken vermeiden wollen, haben wir uns für den traumhaften Ort Guajiru entschieden. Wir verbringen den Nachmittag am Strand und schauen uns das hübsche und auch sehr authentische Dorf an.

Gedanken wie: „Haben wir uns das auch richtig überlegt, sind wir eigentlich verrückt, was haben wir uns da bloß vorgenommen?“ schwirren uns allerdings den ganzen Tag im Kopf rum und wir sind froh über die Ablenkung des schönen Ortes.

Am frühen Abend treffen wir auf unseren Reiseleiter, welcher Englisch spricht und auf den Fahrer des Jeeps, der uns die nächsten Tage begleiten wird. Wir probieren die Räder aus, stellen sie auf unsere Größen ein und besprechen den nächsten Tag. Es ist alles sehr professionell und unser Reiseleiter ist nett und kompetent, was uns beruhigt und etwas Aufregung nimmt. Dennoch schlafen wir erst spät ein, da wir noch lange im Bett liegen und uns darüber unterhalten, was wohl auf uns zukommt und ob wir uns nicht zu viel vorgenommen haben.

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Etappe 1: Guajiru – Icarai  – endlose Traumstrände

Fahrradfahren in Brasilien
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Wir starten heute sehr früh, bereits um 7 Uhr verlassen wir Guajiru, da wir auf Ebbe angewiesen sind und somit jeden Tag die Abfahrtszeiten nach den Gezeiten richten. Nur dann kann man auf dem feuchten, festen Teil des Strandes fahren, da der Sand sonst zu weich ist. Unser Gepäck wird von dem Jeep mitgenommen, wir haben nur jeder eine Flasche Wasser in der Halterung des Rades. Da es sehr warm werden kann, sollte man auf jeden Fall eine Kopfbedeckung haben und ein Shirt mit langen Armen. Ein Rucksack ist zu vermeiden. Der Jeep, welcher uns auf anderen Wegen begleitet (die Strände sind für Fahrzeuge verboten), trifft uns an strategischen Punkten und versorgt uns mit Snacks wie Bananen und Müsliriegeln. Die Landschaft ist surreal, endlose Strände, aufgrund der frühen Uhrzeit sehen wir mehrere Fischer im Wasser, welche uns erstaunt nachschauen und einige Kinder winken uns zu. Es ist heute ein entspannter Einstieg in das Fahrradabenteuer, denn fast die ganze Strecke führt am Strand entlang und dieser lässt sich aufgrund der Ebbe perfekt befahren. Gegen Mittag sehen wir bereits die Silhouette von Icarai vor uns auftauchen, Palmen wedeln im Wind und eine seichte Bucht taucht auf. Wir sind im Windsurf-Paradies Icarai angekommen und haben den Nachmittag, um diese kleine Perle kennenzulernen.  Erleichtert und stolz stellen wir fest, dass wir die erste Etappe ohne Probleme gemeistert haben! Ganz euphorisch erkunden wir Icarai und sind schon voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

Etappe 2: Icarai – Jericoacoara – Anstrengung wird belohnt!

Heute starten wir etwas später und müssen nach einem kurzen Stück am Strand, mit Rädern in den Jeep, um eine unpassierbare Strecke zu umfahren. Danach satteln wir wieder die Räder und fahren durch Dörfer über Backsteinstraßen wieder zurück an den Strand. Der Weg ist heute schwieriger zu befahren, da sich der Boden ständig ändert, dafür ist es aber auch sehr abwechslungsreich und wir sehen sehr viel vom brasilianischen Nordosten: Häuschen, Familien, spielende Kinder, Fischer, kleine Läden und viel Staub und Erde bevor es bei Prea wieder an den Strand geht, um das letzte Stück bergauf über die große Düne, hinter der Jerico acoara liegt, zu überwinden. Und dann sind wir da, im bekannten und berühmten Jericoacoara! Um alles zu sehen und zu erleben, was hier geboten wird, hätten wir noch einen weiteren freien Tag einplanen sollen, da wir heute zu erledigt sind, um noch auf Erkundung zu gehen. Was für ein anstrengender Tag, durch den Muskelka ter vom Vortag war es heute viel schwerer als gestern und es gab kurze Momente, wo wir am liebste n in den Jeep eingestiegen wären. Jetzt sind wir aber froh, dass wir trotzdem durchgehalten haben und genießen das Gefühl des Triumphes! Jericoacoara werden wir wohl nicht weiter kennenlernen aber der traumhafte Strand vor unserer Pousada ist allein schon den Aufenthalt wert. Wir werden diesen Ort sicherlich noch ein andermal mit mehr Zeit bereisen.

Etappe 3: Jericoacoara – Camocim – Mangrovenwälder!

Wir starten nun jeden Tag etwas später, um im Rhythmus mit der Ebbe zu bleiben, weshalb wir unser reichhaltiges Frühstück noch genießen können. Die heute Strecke geht wieder fast zu 100% am Strand entlang und zweimal überqueren wir Flüsse mit einem Floß, was nur ein Holzbrett mit 2 Kindern ist, die uns an langen Stöcken hinüber manövrieren. Das ist wirklich sehr abenteuerlich! Während wir an den kleinen Flüssen vorbei radeln, entdecken wir auch, dass einige Leute in kleinen Holzbooten darauf unterwegs sind und nach etwas tauchen. Neugierig machen wir einen Stopp und fragen nach. Die Antwort lautet Seepferdchen! Von diesen scheint es hier nur so zu wimmeln und die Einheimischen der Region, auch Kinder bieten den Touristen kleine Bootsfahrten an, um diese wunderschönen kleinen Tierchen aus nächster Nähe zu betrachten. Mit durchsichtigen Behältern fischen sie sie aus dem Wasser zum Betrachten und lassen sie anschließend natürlich wieder frei. Auch anfassen ist verboten, um die Tiere nicht zu irritieren oder zu schädi gen. Einem kurzen Blick auf die bunten Seepferdchen können auch wir nicht wiederstehen und machen eine 15minütige Tour durch Mangroven, welche sich absolut lohnt.

Nachdem wir wieder auf dem Rad sitzen und durchqueren wir außerdem abgestorbene Mangrovenwälder, wo wir die Räder zum Teil schieben müssen, da der Sand weich ist und überall Wurzeln herausragen. Wieder einmal ist es eine unglaubliche Landschaft, die uns umgibt und wir sind trotz der Kraftanstrengung des Schiebens einfach nur verzaubert.

Nach Verlassen des Mangrovenwaldes sehen wir bereits die bunten Boote und Häuser von Camocim auf der anderen Flussseite leuchten. Was für ein hübscher Ort! Und diesmal ist es sogar eine richtige Fähre, die uns sicher rüber in das Städtchen bringt. Wir haben eine wunderschöne Unterkunft und genießen den Feierabend im Pool, wobei wir die Erlebnisse des Tages noch einmal Revue passieren lassen. Ich kann es manchmal gar nicht gl auben, dass wir all das per Rad erleben und uns quasi selbst voranbringen. Das macht die ganze Tour in dieser wirklich unglaublich schönen und außergewöhnlichen Region noch echter und aufregender.

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Etappe 4: Camocim – Parnaiba – die kleinste Küste Brasiliens

Das erste Stück führt uns heute über Straßen und Pisten durch kleine Dörfer und dann treffen wir nach einer guten Stunde unseren Jeep, damit er uns zum Strand von Macapa bringt, da es außer einer Schnellstraße, keine Verbindung gibt. Den Rest des Tages fahren wir langsam und entspannt immer am Strand entlang auf schönem fest en Sand der Ebbe, so dass wir etwas durchatmen und relaxen können. Die Strände sind zuerst menschenleer und werden, umso weiter wir uns Parnaiba annähern, etwas belebter. Uns wird mit erstaunten und freudigen Gesichtern begegnet, so oft scheinen hier keine Radfahrer langzukommen. Kurz vor Ankunft in der Stadt gönnen wir uns eine eiskalte Kokosnuss an einem der kleinen Stände am Strand und werden so gleich von den Einheimischen befragt, wo wir herkommen. Alle sind sehr freundlich und neugierig, nach 5 Minuten sind wir bereits in Gespräche verwickelt und wollen am liebst en gar nicht schon wieder weiterfahren. Wir entscheiden spontan den frischen Fisch und die Garnelen zu probieren, den uns der Standbesitzer anbietet. Eine absolut richtige Entscheidung, wir essen köstlich zu Mittag! Erst am späten Nachmittag kommen wir heute in unserer Pousada an, was aber nicht weiter schlimm ist, da wir nach so viel Natur auch gar keine große Lust haben, die Stadt anzuschauen.

Etappe 5: Parnaiba – Tutoia – durch dichten Wald und über Stock & Stein 

Unser Reiseleiter hat uns schon zu Beginn der Tour gesagt, dass seine ganz persönliche Lieblingsstrecke der heutige Tag ist, weshalb wir extrem gespannt sind, was uns heute erwartet! Eigentlich sind die letzten Tage aus unserer Sicht kaum noch zu übertreffen. Der Tag startet per Jeep, wir verlassen erst einmal die Stadt und fahren ins Landesinnere bis zum Ufer des Flusses Parnaiba (nach dem auch die Stadt benannt ist). Hier stoppen wir und bereiten unsere Räder vor, doch bevor wir losradeln können, überqueren wir per Fähre den Fluss und dann geht es endlich wieder los! Anders als die letzten Tage befinden wir uns inmitten von grüner wilder Vegetation, fast als ob wir den Nordosten und die Strände verlassen hätten und auf einmal in Amazonasgebieten unterwegs sind. Um uns herum befinden sich neben Pflanzen und Bäumen vor allem Carnaubapalmen, wie uns unser Reiseleiter erklärt. Wir radeln durch kleine Bäche und über Fazendas hinweg, außerdem durchqueren wir kleine Dörfer, die am Flussufer angesiedelt sind und nutzen diesmal zur Überquerung des Flusses sogar ein Floß, welches per Hand geschoben wird. Einfach unglaublich, tatsächlich hat unser Reiseleiter nicht übertrieben, der Tag steht im kompletten Kontrast zu den vorherigen Etappen und ist dadurch wirklich ganz besonders. Kurz bevor wir Tutoia erreichen, steigen wir von unseren Rädern, packen zusammen und lassen uns die letzten Kilometer, die über asphaltierte Schnellstraße führen, bis zur Pousada in Tutoia bringen. Was für ein erlebnisreicher Tag, dieser komplette Umbruch von Meer, Sand und Salz zu dichter sattgrüner Vegetation und Süßwasser hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Obwohl wir per Rad unterwegs sind und nicht so viel Strecke in 6 Tagen schaffen wie die motorisierten Reisenden, nehmen wir die ganze Vielfalt der wohl nicht umsonst so genannten „Route der Emotionen“ mit und erleben außerdem die ganze Schönheit fernab der anderen Touristen. Traumhaft !

Etappe 6: Tutoia – Caburé – Lencois Maranhenses wir kommen!

Es ist heute unsere letzte Etappe per Rad, auch wenn wir ordentlich Muskelkater spüren, sind wir von den einzelnen Touren so begeistert, dass wir es gar nicht glauben, wie schnell die letzten Tage vergangen sind. Heute werden wir bereits die kleinen Lencois sehen, da wir uns dem Nationalpark Lencois Maranheses nähern, wo wir dann nach der Radtour noch ein paar Tage verbringen wollen.

Reiseberichte Nordosten Brasilien
Reiseberichte Nordosten Brasilien

Nach dem Frühstück können wir noch etwas im Jeep entspannen, denn bis Paulino Neves gibt es nur eine Schnellstraße, welche wir per Rad vermeiden wollen. Nach einer kleinen Besichtigungstour in Paulino Neves satteln wir zum letzten Mal unsere Räder und spüren schon nach einigen Metern wieder Sand unter unseren Füßen, heute ist wieder Strand angesagt. Zu Beginn das altvertraute Bild, endloser Sandstrand und weites Meer, kein Mensch weit und breit. Doch dann tauchen wie Tage zuvor schon einmal wieder abgestorbene Mangrovenwälder auf. Das Meer drängt immer weiter ins Inland, weshalb der Sand die Mangroven bedeckt und diese dann absterben, es sind ganze Mangrovenfriedhöfe, wieder diese surreale mondähnliche Landschaft! Dann auf einmal stoppt unser Reiseleiter ein paar Meter vor uns und zeigt auf etwas, eine riesige Wasserschildkröte! Wow! Was für ein Moment! Er erklärt uns, dass dieser Strand oft von den Schildkröten genutzt wird, um ihre Eier hier abzulegen, weshalb der Schutz dieses Strandabschnittes und das Verbot von motorisierten Fahrzeugen so wichtig sind. Nach diesem Highlight bewegen wir uns weiter Richtung Caburé und sehen in der Ferne bereits die so berühmte Dünenlandschaft der Lencois Maranhenses. Es handelt sich allerdings nur um die kleinen Lencois, die großen befinden sich auf der anderen Flussseite, da wo unser Endziel der Radtour ist. Dennoch ist der Blick spektakulär und wieder einmal fühlen wir uns wie in einer anderen Welt zwischen Meer und Wüste, es ist ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit mit dem Wind im Gesicht in dieser traumhaften Landschaft per Rad unterwegs sein zu können.

Fahrradfahren in Brasilien
Fahrradfahren in Brasilien

Der Abschied in Caburé fällt uns nicht leicht, bei einer kühlen Kokosnuss am Ufer des Flusses Rio Preguicas helfen wir unserem Reiseleiter die Räder zu verstauen und verabschieden uns schweren Herzens. Einen riesen Dank an unser Team aus Reiseleiter und Fahrer für dieses wundervolle Erlebnis!

Ein kleines Motorboot bringt uns von Caburé über den Fluss bis nach Atins, wo wir die nächsten Tage relaxen und natürlich den Nationalpark Lencois Maranhenses anschauen wollen. Aber davon berichten wir in einem separaten Post!!

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